Abfallvermeidung bei Wiener Veranstaltungen

Evaluierung des Wiener Geschirrmobils

Das Ökologie-Institut hat im Auftrag der Wiener Magistratsabteilung 48 untersucht, welchen Beitrag das Geschirrmobil zur Abfallvermeidung leistet. Dieses ist seit Oktober 1997 in Wien im Einsatz. Durch die Verwendung von Mehrweggeschirr bei Veranstaltungen konnten seit Beginn der Aktion 17 Tonnen Abfall vermieden werden. VeranstalterInnen sind mit dem Geschirrmobil sehr zufrieden, und auch Veranstaltungsgäste bevorzugen Mehrweg- gegenüber Einweggeschirr und -becher.
In Wien werden pro Jahr rund 2.200 Veranstaltungen angemeldet, wobei das Geschirrmobil für 27 Veranstaltungen (das sind 111 Veranstaltungstage inkl. Auf- und Abbau) gemietet wurde. Durch das Mehrwegsystem konnte Einwegmüll im Ausmaß von 5,2 Tonnen vermieden werden. Betrachtet man den Zeitraum seit Einführung des Geschirrmobils (Oktober 1997), so wurden bislang insgesamt 17 Tonnen Veranstaltungsabfall eingespart.
Positive Erfahrungen und Zufriedenheit waren für 60 Prozent der VeranstalterInnen der Hauptgrund, sich für den Einsatz des 48er Geschirrmobils zu entscheiden. Weiters wurde der Preisvorteil von Mehrweg- gegenüber Einwegsystemen genannt. Der Mietpreis des Geschirrmobils wird von den VeranstalterInnen als angemessen erachtet. Die Veranstalter bewerteten die Zusammenarbeit mit den eingeteilten AbfallberaterInnen, die das Geschirrmobil betreuten, überaus positiv.
85 Prozent der Gäste bevorzugen laut Befragung Mehrweggeschirr und bezeichnen es bei Veranstaltungen als umweltschonend, appetitlicher und teilweise als kulturellen Fortschritt. Positiv ist ebenso aufgefallen, dass 93% der BesucherInnen ihr Konsumverhalten nicht ändern würden, wenn für Mehrweggeschirr ein Pfand zu bezahlen wäre.
Eine der effizientesten Möglichkeiten zur Abfallvermeidung bei Veranstaltungen ist die Schaffung von rechtlichen Grundlagen zur Forcierung von Mehrwegsystemen. Da die Gemeinde Wien bei den meisten Veranstaltungen als Genehmigungsbehörde auftritt und auch die Abfallentsorgung und die Straßenreinigung übernimmt, liegen Abfallvermeidung und Abfalltrennung naturgemäß im Interesse der Gemeinde. Außerdem wirkt sich eine abfallarme Veranstaltung positiv auf das gesamte Erscheinungsbild der Stadt aus und kann das Umweltbewusstsein der Bevölkerung positiv beeinflussen. Dazu ist es allerdings notwendig, den VeranstalterInnen klare und verbindliche Richtlinien vorzugeben. Vorbild dafür könnte etwa die Gewerbe- und Bauabfallentsorgungssatzung der Stadt München sein. Dort gilt seit 1990 für alle Veranstaltungen auf städtischem Grund ein Einwegverbot im Verpflegungsbereich. Zahlen aus Deutschland und Österreich bestätigen, dass das Einsparungspotential an Abfallvolumen nach einer kurzen Anlaufzeit rund 70 % beträgt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die ausschließliche Nutzung von Mehrweggeschirr bei der Genehmigung von Großveranstaltungen, wie etwa in Berlin üblich, vorzuschreiben.
Begleitende Informationsarbeit ist notwendig, um Mehrwegsysteme erfolgreich einzuführen. Einerseits sollten VeranstalterInnen über Gestaltungs- und Umsetzungsmöglichkeiten informiert werden. Andererseits ist es auch erforderlich, Veranstaltungsgäste auf die positiven Auswirkungen der Pfand- und Mehrwegsysteme hinzuweisen. Wie so oft, empfiehlt sich frühzeitige Planung. Bereits bei der Antragstellung zur Genehmigung einer Großveranstaltung sollten verantwortliche AnsprechpartnerInnen für Abfallfragen bestimmt und die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes verlangt werden. Die Studie zeigt, dass sowohl VeranstalterInnen als auch Veranstaltungsgäste gegenüber dem Geschirrmobil und Mehrwegsystemen bei Veranstaltungen sehr positiv eingestellt sind. In Anbetracht der offenkundigen Vorteile und der ohnehin großen Akzeptanz, erscheint es unumgänglich, dass auch in Österreich strengere Richtlinien zur Stärkung von Mehrwegsystemen vorgegeben werden.

Laufzeit: 2000 bis 2001.
Mehrweg statt Einweg!

Kontakt

Tel: +43/6991/523 61 01
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AuftraggeberInnen

  • MA 48 der Stadt Wien

Bericht

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